„Oje, Herr Lehrer, ich hab’ jetzt ‘nen Loch im Kopf“

– Onlineunterricht live.

Diese und so einige andere irritierende Aussagen schallte es aus dem Off der vielen kleinen Lernstuben im sogenannten Online-Unterricht und könnten so manchen Mithörenden sehr verwirrt haben. Hörte man weiter zu, so würden auch die Sätze „Mein Finger ist kaputtgegangen“, „Das war aber ein blöder Ausrutscher, meine Wirbelsäule hat jetzt einen Knick“ oder „Ich finde meinen Fuß nicht mehr“, den Unbefangenen sehr in Sorge stürzen.

Was war passiert? Die Auflösung ist denkbar einfach, hier kämpften kleine Heldinnen und Helden des Onlineunterrichts nicht mit Dr. Mabuse oder Frankenstein, sondern mit der akkuraten Herstellung eines Skelettmodells. Und damit der Lehrer und die Lehrerin immer sofort helfen konnten, waren viele Mikrophone ausnahmsweise nicht auf stumm geschaltet und Kameras aktiviert. Mit einem Materialpaket hatten die Bestandteile des Modells den Weg von der Schule zu den einzelnen Heimstudios der Kinder gefunden. Nun musste es nur noch unter fachkundiger Anleitung unseres Berufspraktikanten Daniel Eichner zusammengebaut werden. Aber jeder, welcher schon einmal ein Modell zusammengepuzzelt hat, weiß, der „Teufel“ steckt im Detail. Nach einigem Hin und Her, pädagogisch Versuch und Irrtum genannt, konnten alle Werkenden ein mehr oder weniger vollständiges Skelett zusammenbringen. Kurz noch ein paar O-Beine und verrenkte Hände korrigiert und schon war das Geselleninnenstück vollbracht.

Statt nun den Weg zurück zur Schule anzutreten, sollte es nun aber – so der eindeutige Beschluss der Klassen 5 D und 5 E – die eigenen vier Wände schmücken. Und stattdessen – wie in diesen Zeiten üblich – wurde ein digitaler Beleg der Arbeit über verschiedene Kanäle zum Lehrkörper zurückgesendet. Am Ende kann nun zur Beruhigung aller gesagt werden, dass der digitale Unterricht außer gelegentlichen Kopfschmerzen, Verspannungen und viereckigen Augen bei den meisten Teilnehmerinnen kaum körperliche Spuren hinterlassen hatte. Jedoch kam es beim schnellen Herbeiholen der fehlenden Unterrichtsmaterialien, dem Aufrechterhalten der Konzentration oder dem Schnellstart von der liegenden Position in die Sitzhaltung doch zu kleineren Unfällen, wie angestoßene und sogar verknackste Zehen, vom Stuhl gefallen Steißbeine sowie kleineren Blessuren bei Zusammenstößen mit den zwei- und vierbeinigen Mitbewohnern, welche u. a. den Weg zur Speisekammer oder zum Drucker kreuzten. Auch sagt man sich, dass so einige Fingernägel mitunter durch plötzliches und unerwartetes Aufrufen durch die Lehrkraft während der Maniküre gelitten haben sollen.

Im Nachhinein sind wir aber alle froh, dass der Distanzunterricht – zumindest anatomisch gesehen – mehr oder weniger heil überstanden wurde.

Michael Klenz