“Ordnung der Welt auf den Kopf gestellt”

Eindrucksvolles Musical über Mary Ward zum 150-jährigen Schuljubiläum der Maria-Ward-Schule.

Eichstätt (EK) An die wechselvolle Geschichte ihre Schule erinnern und mit ihrer Namenspatronin Mary Ward als Wegbegleiterin optimistisch in die Zukunft blicken – das war das Ziel des eindrucksvollen Musicals über das Leben der englischen Nonne Mary Ward, das Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Maria-Ward-Realschule anlässlich ihres 150-jährigen Schuljubiläums aufführten.

“Gestern, heute und morgen – Maria Ward” – so lautete der Titel des ebenso fröhlichen wie bewegenden Musicals, dessen Premiere am Donnerstagabend in der vollbesetzten Aula des Rebdorfer Schulzentrums vom Publikum mit großer Begeisterung honoriert wurde.

Eine höhere Töchterschule für Eichstätt? Das will gut bedacht sein. Denn wer, so die Herren des Magistrats der Stadt Eichstätt, könne schon garantieren, dass die Frauen nicht übermütig werden, ja womöglich die gesamte gottgewollte Ordnung auf den Kopf stellen? Es ist das Jahr 1869 und am Magistratstisch wird heftig diskutiert. Schwester Cölestine, eine der ersten “Englischen Fräulein” in Eichstätt und wunderbar von Hannah Willner (10 F) dargestellt, versucht verzweifelt, Bürgermeister (Michael Klenz) und Magistrate davon zu überzeugen, dass Mädchen mehr können als nur Haushalt und Kinder bekommen: “Sie brauchen Bildung und ganz Eichstätt wird von dieser Schule profitieren!”

Szenenwechsel: “Ich werde eine Nonne!”, so singt Laura Kopischke (6 D) begeistert, die Mary Ward in überzeugender Weise und als herausragende Gesangssolistin darstellte. Fünf Jahre, nachdem Mary Ward, so erzählt die Geschichte, ihre Geschwister 1595 aus einer Feuersbrunst rettete, steht für die damals Zehnjährige fest, welchen Lebensweg sie gehen will: Sie will Gott dienen. Das bewegende Lied stammt wie auch die gesamte Musical-Idee aus der Feder von Werner Lecheler, Komponist, Chorleiter und Musiklehrer der Neuburger Maria-Ward-Schule, wo sein Musical “Marie Ward – die Stimme aller Frauen” bereits 2012 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Auf die Anfrage der Eichstätter Maria-Ward-Realschule gab Lecheler zur Freude der Schulleitung sofort sein Einverständnis dafür, das Musical auf das besondere Ereignis des Jubiläums zuzuschneiden. Unter der fachkundigen Gesamtleitung von Martina Hafermann und der musikalischen Leitung von Martina Beck, Dirk Böndl, Anette Stößl und Franziska Ziegler, die eigens eine Musical-Band (Böndl), Tanzgruppe (Maria Sturm) und den Musical-Chor der fünften Klassen ins Leben gerufen hatten, entstand so das aktualisierte und um viele originelle Inhalte ergänzte Musical für die Jubiläumsfeier der Maria-Ward-Realschule.

Eigens für den Jubiläumsabend gedrehte Videofilme mit Erinnerungen von ehemaligen Schulabsolventen, Statements von Schülern und Lehrkräften sowie ersten Eindrücken neu angemeldeter Schülerinnen und Schüler wechseln sich ab mit klassischen Szenen der mit liebevollen zeitgenössischen Kostümen ausgestatteten Schauspieler aus dem Leben der mutigen Engländerin. Flotte Hip-Hop-Tanzdarbietungen reißen das Publikum ebenso mit wie kraftvolle Songs und witzige Dialoge. Besonders liebenswert: die drei Fünftklässlerinnen Lisia Hein, Jolina Reimann und Anna Wolfsteiner (alle 5a) am Bühnenrand, die Schülerinnen aus dem Jahre 1869 darstellen und das Publikum immer wieder mit ebenso erstaunlichen wie witzigen Einblicken in das Leben von Mary Ward begeistern. Und dass Schwester Cölestine mitten im Musical in einem Publikumsquiz die Zuschauer zu einigen spannenden historischen Details zurückführt, die die Schauspieler zuvor auf der Bühne thematisiert hatten, zeigte dem Publikum nur zu deutlich: Die Schülerinnen und Schüler von Maria Ward haben sich mit großer Freude und Intensität mit ihrer Namenspatronin und ihrem Leben auseinandergesetzt.

Großartig und mit überragender Stimme und professionellem Gesang übernimmt Simone Paine (10 A) die Rolle der erwachsenen Mary Ward. Überzeugend verkörpert sie die Leitmotive der Frau, die für den Kampf um Bildung für Mädchen und Frauen im 17. Jahrhundert steht: “Zeige dich, wie du bist, und sei so, wie du dich zeigst” sowie “Tue Gutes und tue es gut”. Dass im Leben der Maria Ward durchaus auch Szenen voller Komik und Heiterkeit eingebaut werden können, zeigte die Szene, als Mary Ward den Versuch unternimmt, ihre Ordensgründung in Rom bestätigen zu lassen, damit aber natürlich scheitert. Mit herrlicher Ironie drückt der Papst (Adrian Smoll) “seine übergroße Freude aus”, die hartnäckige Schwester Mary Ward wiederzusehen. Auch den Kardinälen ist diese Frau, die sich “ständig herumtreibt”, geistige Tätigkeiten ausübt, ja sich sogar traut, mit Geistlichen zu diskutieren, unerträglich: “Diese Frau muss weg!”, so lautet die einhellige Meinung des Klerus. Und so nimmt das Publikum bewegt Anteil am Schicksal von Mary Ward, die in einem Münchner Gefängnis verstarb.

In einem imposanten Finale zeigten sich alle Mitwirkenden noch einmal mit dem Musicalhit “Frauen und Mädchen, die stehen ihren Mann!” auf der Bühne und besangen die Erkenntnis, die Mary Ward schon vor 400 Jahren verbreiten wollte: Mädchen können alles, was auch Jungen können.

Quelle: Eichstätter Kurier vom 21.05.2019 von Dagmar Kusche