Kuriositäten aus der Schulgeschichte

Eichstätt (EK) Bildung auch für Mädchen und Frauen – dieses Credo hatten sich die Englischen Fräulein seit der Gründung der ersten Schule in Eichstätt im Jahre 1869 auf ihre Fahnen geschrieben.
Viele spannende Zeitdokumente findet man in der Ausstellung – ebenso wie Fotos ehemaliger Schülerinnen, was Kinga Kopischke und Tochter Laura besonders freute. Zur Vernissage begrüßten Schulleiterin Monika Helmstreit und Darsteller des Mary-Ward-Musicals die Gäste.
Dass sie dieses Ziel mit Überzeugung, Ausdauer, Herzblut und viel Erfolg über die Jahrzehnte hinweg immer im Auge hatten, davon zeugt die eigens zum 150. Jubiläum der Maria-Ward-Realschule konzipierte historische Ausstellung.
“Wer garantiert uns denn, dass die Frauen die Ordnung der Welt nicht auf den Kopf stellen? ” Diese Frage aus dem bekannten Musical über die englische Nonne Mary Ward hörten die Gäste auch bei der festlichen Eröffnung der Ausstellung wieder aus dem Munde von Lehrkraft Michael Klenz, verkleidet als zweifelnder Bürgermeister von 1869 und Mitorganisator der historischen Ausstellung. Die klare Antwort darauf gaben die Schülerinnen Emilia Butsch und Laura Kopischke mit ihrem Lied “Mädchen und Frauen”, in dem sie mit Blick auf die Gründung der ersten Maria-Ward-Schule Bildung auch für das weibliche Geschlecht einforderten. Quasi aus dem Nichts war 1869 die erste “Schule” mit zehn Schülerinnen und einer Schulbank im Wirtshaus “Drei Mohren” in Eichstätt eröffnet worden.
Ein Team von Lehrkräften der Maria-Ward-Realschule hat zum 150. Jubiläum eine wunderbare historische Ausstellung im Festsaal der Schule konzipiert. Dachböden, Keller und Archive haben sie durchstöbert, Akten und Fotoalben gewälzt, Ordensschwestern, ehemalige Lehrer und Schüler in Eichstätt und Augsburg um Unterstützung gebeten und viele alte Kisten durchgeschaut: “Viele von den entdeckten Kuriositäten konnten wir gar nicht sofort eindeutig bestimmen”, schmunzelte Michael Klenz, der die Ausstellung zusammen mit Andreas Stolz, Sigrid Maget, Annette Blum und Sabine Grimm konzipiert hat. So erinnert er sich an einige Kugeln, die er erst als Weihnachtsschmuck einordnete, diese dann aber beim Auffinden weiterer Lehrobjekte als Planeten identifizieren konnte, die zu einem Sonnensystemmodell aus der Physik gehörten. Neben dem dokumentarischen Ausstellungsbereich mit Zeitungsartikeln, Fotos, Jahresberichten, alten Lehrplänen und Büchern erfreuten sich die antiken Funde aus dem technischen Bereich großem Interesse. Denn wer kennt denn heute noch ein Cinematographen oder weiß, wie Stromgeneratoren zum Ausprobieren vom Ende des 19. Jahrhunderts oder eine Lichtanlage für das Schultheater vom Anfang des 20. Jahrhunderts aussehen? Faszinierend ist auch ein alter Projektor, ein Morsetelegraph oder das Lumophon, Marke Albrecht Dürer von 1928/29 für einst 215 Mark, der Vorgänger des Radios.
Großen Wert auf das Verständnis physikalischer Vorgänge und den praktischen Umgang mit technischen Geräten müssen die Schwestern der damaligen Maria-Ward-Schulen gelegt und dies nach Lehrplan auch zielstrebig umgesetzt haben, so stellten viele Vernissage-Besucher staunend fest. Doch auch Anschauungs- und Übungsmaterial für Hauswirtschaftslehre wie alte Bügeleisen oder Nähutensilien sind ebenso wie Geräte und Spiele zur körperlichen Ertüchtigung, wie ein altes Cricketspiel oder antike Ringe und Leitern, in der Ausstellung zu bewundern.
Natürlich entlockten auch die vielen alten Fotographien den Ausstellungsbesuchern freudige Überraschungsrufe. So entdeckte Kinga Kopischke zusammen mit ihrer Tochter und Maria-Ward-Schülerin Laura ein Foto aus ihrer Schulzeit: “Es ist einfach toll, wenn man sich an die Zeit mit Schwester Lioba und Schwester Raingard Mayer erinnern darf”, meinte die Ehemalige begeistert. Auch die Eichstätterin Lilo Adlkofer freute sich über zahlreiche Erinnerungsfotos, auf denen sie sich wiederfand: “Ich war schließlich von 1966 bis 1970 Schülerin, Absolventin und später auch in der Schulverwaltung von Maria Ward tätig”, erklärte sie. Und so gebe es viele Schülerinnen, die in späteren Jahren als Mitarbeiter oder Lehrkräfte wieder an die Schule zurückgekehrt seien, betonte Adlkofer. Damit bestätigte sie zweifellos, was zuvor Lehrer Andreas Stolz bereits in seinem historischen Rückblick herausgestellt hat: “Die Maria-Ward-Schule ist nicht nur für viele Lehrer und Schüler eine zweite Heimat geworden, sondern sie ist auch tief in Eichstätt verwurzelt. ” Davon zeugt auch die historische Ausstellung in beeindruckender Weise.
Die Ausstellung war am Samstag, 13. Juli, von 17 bis 19 Uhr, am Sonntag, 14. Juli von 10 bis 12 Uhr sowie am Montag, 15. Juli, von 17 bis 19 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich.
Eichstätter Kurier vom 12.07.2019 von Dagmar Kusche