Weihnachten als Videoclip

Satirische Einlage der Maria Ward-Theatergruppe auf dem Rebdorfer Adventsmarkt

Einen satirisch-heiteren Blick auf die weihnachtlichen Gepflogenheiten und Show-Effekte hierzulande warf die Theatergruppe der Maria Ward-Realschule Eichstätt im Rahmen des Rebdorfer Adventsmarkts. Die Schülerinnen hatten unter Leitung von Martina Hafemann für diese Einlage das Stück „Klappe Eins/Bitte strahlen, Weihnachten bei Bittelmanns“ von Ulla Kling einstudiert und mit einem eigenen Schluss von Luzie Kübler versehen.

Der Heilige Abend im trauten Kreis der Familie soll auf ein perfektes Video gebannt werden, so jedenfalls wünscht es sich der hyperaktive Familienvater, kongenial interpretiert von Luzie Kübler. Bewaffnet mit der Videokamera hält er jede Sequenz des gemeinsamen Essens und Feierns fest und gibt wie ein Regisseur Anweisungen zum richtigen Lächeln und der entsprechenden Körperhaltung. Die Hochglanz-Weihnachtsfreude wird jedoch wie ein Potemkinsches Dorf inszeniert, hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus. Die Kinder, einfühlsam und überzeugend dargestellt von Dilara Cinar und Felicitas Funk, quengeln in einer Tour und wollen keine Staffage für eine derartige Inszenierung sein, während die genervte Mutter (Lisa Kraus) zum Ausdruck bringt, dass so „keine Stimmung aufkommen“ könne. Ins selbe Horn stößt der alte Junggeselle und phlegmatische Waldschrat Onkel Max, eindrucksvoll verkörpert von Katharina Winhart, der dem Abend im Kreise seiner Verwandten mit zynischen Sprüchen wie „Nur keinen Streit vermeiden!“ oder „Früher war mehr Lametta!“ begegnet. Ein Schelm, der da an einen gewissen Loriot denkt… Unbeirrt verfolgt jedoch der gschaftige Familienvater seine Mission des perfekten Weihnachtsabends, die er sogar als Drehbuch vorliegen hat und bis zum bitteren Ende durchziehen will. So nimmt es nicht wunder, dass schließlich ein weiter Bogen gespannt und ein nostalgischer Werbespot für die „Schwarzwaldklinik“ als seinerzeitige TV-Familienserie par excellence eingeblendet wird, Beleg dafür, worauf es auch und gerade im postfaktischen Zeitalter ankommt: auf die Inszenierung ...

Andreas Stolz