Warum ein Adler nicht fliegen wollte ...

Musiker/innen und Darsteller/innen

Darsteller/innen

Adler und Hühner

Maria Ward-Realschule präsentiert tiefsinniges Musical

- weitere Aufführungen am Freitag, 17.04.2015 beim Tag der offenenTür

Eine vielschichtige und tiefsinnige Schwarzlichttheater-Aufführung der Maria Ward-Realschule Eichstätt kam jüngst in der Aula des Realschulzentrums Rebdorf auf die Bühne und fand begeisterten Anklang beim zahlreich erschienenen Publikum. In einer Gemeinschaftsaktion des Unterstufentheaters (Leitung: Helena Löchner), des Unterstufenchores (Leitung: Anette Stößl) und der Lehrerband (Leitung: Martina Beck) wurde die Kantate „Das Herz eines Adlers“ von Kathi Stimmer-Salzeder zu einer bewegenden Parabel von James Aggrey aufgeführt.

Die Aschauer Liedermacherin Kathi Stimmer-Salzeder gilt als renommierte Komponistin des modernen geistlichen Liedgutes in Bayern undvermag auf besondere Weise, nachhaltige Gedanken auf einfühlsame und geradezu synästhetische Weise zu präsentieren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Wahl des ihrem Werk zugrunde-liegenden Textes von James Aggrey zu verstehen. Dieser hatte mit seiner Parabel „Der Adler, der nicht fliegen wollte“ zunächst seinen afrikanischen Landsleuten, die seinerzeit unter dem europäischen Kolonialismus litten, die Augen öffnen wollen für den Eigenwert ihrer Person und ihrer Freiheitsrechte. Darüber hinaus ist diese Parabel jedoch an alle Menschen gerichtet, die mit Hilfe eines Mentors den Weg finden wollen zu selbstbestimmter Freiheit.

„Vogel friss, oder stirb, denn du bist, was du isst“ wird ein junger Adler auf dem Hühnerhof willkommen geheißen und die aufgeregten Hühner scharwenzeln mit ihrem weißen Gefieder beständig um den „seltsamen Vogel“, der so gar nicht zu ihnen passen will. Ein Naturforscher will ihn Jahre später aus dieser Misere befreien und seiner wahren Bestimmung als Adler zuführen, doch das Tier ist bereits der Macht der Gewohnheit erlegen: „Das ist zu fremd, das ist zu neu.“ Der Bauer, der den Adler zum Huhn erzogen hat, begegnet den unermüdlichen Versuchen des Forschers, das Tier zum Fliegen zu bewegen, mit entsprechender Skepsis. Doch auch die vielen Rückschläge können den Mentor des kleinen Adlers nicht entmutigen und hellsichtig richtet er ihn schließlich zur Sonne hin aus. In einem triumphalen Schlussgesang breitet das Adlerjunge endlich die Flügel aus und fliegt unwiderruflich seiner eigentlichen Bestimmung entgegen …

Die eindrucksvollen Schwarzlicht-Effekte in Verbindung mit den zauberhaft dargestellten Bewegungen der jungen Schauspieler/innen aus der Klasse 6 e, mit den Melodien des Instrumentalensembles und des Chores bzw. der Solistinnen Johanna Stark und Antonia Iberl (beide 10. Klasse) konnten die intensive Aussage der Parabel nur unterstreichen und Eltern und Lehrer im Publikum direkt ansprechen. Ist sie doch letztlich auch eine glänzende Parabel auf Pädagogik schlechthin und erinnert an Nietzsches metaphorische Worte, wonach Erziehung nicht in Abrichtung und Drill bestehe, sondern vergleichbar sei dem „liebevollen Niederrauschen nächtlichen Regens.“ Am 17. April, dem Tag der offenen Tür an der Maria Ward-Realschule, wird die Kantate für interessierte Viertklässler und ihre Angehörigen um 14 Uhr und um 16 Uhr nochmals aufgeführt.

Andreas Stolz