SOLWODI zu Besuch in der Maria-Ward

Eichstätt (lm) Am 8. Februar 2017 hörten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Maria-Ward-Realschule in Eichstätt einen Vortrag von Frau Soni Unterreithmeier zu ihrem Herzensprojekt Solwodi: Hilfe für Frauen in Not.

Die Informationsveranstaltung von Soni Unterreithmeier beginnt mit allgemeinen Fakten über Solwodi. Der Name der nun schon seit 30 Jahren existierenden Organisation, die von Sr. Dr. Lea Ackermann gegründet wurde und vor allem gegen Zwangsprostitution und -heirat vorgeht, ist eine Zusammensetzung der englischen Wörter „Solidarity with women in distress“. Zu Deutsch: Solidarität mit Frauen in Not.

Etwa 90 % des Menschenhandels weltweit betrifft Frauen. 90 % dieser Frauen werden zur Prostitution gezwungen. Wie ist das möglich und warum können sich die Opfer keine Hilfe holen bzw. sich selbst nicht schützen? Die „Loverboy-Methode“ ist ebenso simpel, wie effektiv: junge, meist gutaussehende Männer suchen sich möglichst junge Mädchen, die nicht sehr eng in den Familien- bzw. Freundeskreis eingebunden sind und umschwärmen sie, machen ihnen Komplimente und Geschenke, machen sie emotional von sich abhängig. In einer plötzlichen finanziellen „Notlage“ bitten sie ihre Freundinnen um Unterstützung. Oft fühlen sich die Betroffenen gezwungen zu helfen und wenn sie sich weigern, anschaffen zu gehen, erfahren sie Gewalt und Wutausbrüche. So beginnt es oft; wenn der Personalausweis und das eigene Handy erst einmal abgenommen wurden, gibt es kein Entkommen mehr. Teilweise werden die Mädchen auch von Verwandten oder Nachbarn nach Deutschland gelockt, meist unter dem Vorwand, einen gutbezahlten Job für sie zu haben.

Opfer solcher Verbrechen können fast nie zu ihrer Familie zurück, aus Angst, es könnte ihnen etwas angetan werden. Auch in Deutschland zu bleiben ist selten eine Option, da die fehlenden Reisepässe zur Abschiebung wegen illegaler Einwanderung führen. Auf Grund psychischer Probleme, wie z. B. Panikattacken, ist es nach solchen Erlebnissen oft unmöglich, ein halbwegs normales Leben führen zu können.

Zuhälter werden verhältnismäßig milde bestraft: mit sechs Monaten bis fünf Jahren Haft, bei guter Führung auch weniger. Solwodi versucht in erster Linie zu den Opfern Kontakt aufzunehmen. Diese wissen oft gar nicht, dass es Hilfe gibt. Die Frauen werden in anonymen Wohnungen ohne Adresse untergebracht, bis sie Deutsch lernen, eine Ausbildung absolvieren oder zu Hilfsor- ganisationen in ihren Heimatländern vermittelt werden können. Frauen, die das Glück haben, den Fängen der Zuhälter zu entkommen, zeigen oft ähnliche Symptome wie Folteropfer und brauchen langzeitig therapeutische Hilfe.

Häufig haben Zuhälter „Vorzeige-Huren“ fürs Fernsehen, die sagen, dass das alles nicht schlimm sei und sie ihrer Arbeit gerne nachgehen würden. Die Regierung sieht deshalb keinen Handlungsbedarf. Freiwillige Prostitution ist, auch wenn das kaum der Fall ist, in Deutschland erlaubt.

Anders in Norwegen: bereits 2001 legte die Regierung fest, dass Prostitution dem menschenwürdigen Umgang widerspricht; die Folge: Freier werden bestraft. Schweden folgt diesem Vorbild 2009, wie später auch Dänemark, Irland und Frankreich. Inzwischen hat sich auch die EU ein solches Gesetz zum Ziel gemacht.

Beim anschließenden persönlichen Austausch mit der Referentin konnten die Klassen- und Schülersprecher den Erlös des Weihnachtsmarktes in Höhe von 1.467,89 EUR überreichen.

Leonie Mahler, 10 a