Schüler diskutieren über Europapolitik

Regionalsitzung des Europäischen Jugendparlaments findet an der Maria-Ward-Realschule statt.

Eichstätt (EK) Die Mädchen in Hosenanzügen oder Kostümen, die Jungs im Anzug: Am Wochenende tagte das Europäische Jugendparlament in Eichstätt. An der Maria-Ward-Realschule fand eine von insgesamt drei regionalen Auswahlsitzungen des Wettbewerbs statt. Die 130 Teilnehmer aus ganz Europa schlüpften in die Rolle von Parlamentariern und mussten Lösungsansätze zu Problemstellungen in unterschiedlichen Komitees entwerfen – auf Englisch.

Am Anfang stand eine Teambuilding-Maßnahme, erklären die Zehntklässler der Maria-Ward-Realschule, die kurz vor Beginn der Veranstaltung am Samstag noch nicht sonderlich nervös wirken. Vielleicht liegt das aber auch an der intensiven Vorbereitung, die am Donnerstag begann. Schließlich galt es, die vielen Gäste aus zehn Nationen kennenzulernen, sich die Abläufe der parlamentarischen Vollversammlung klarzumachen und sich in die Themen einzuarbeiten – denn am Ende sollen die Teilnehmer in ihren Ausschüssen eine Resolution entwickeln. Organisiert wurde das Projekt vom Europäischen Jugendparlament in Deutschland (EJP), ein Verein, der zum Dachverband European Youth Parliament (EYP) gehört.

“Es waren Themen vorgegeben und jeder konnte sich für drei eintragen, die ihn interessieren”, erklärt David Hirtreiter, der sich mit dem Thema Grenzschutz, Cyberkriminalität und Datenmissbrauch auseinandergesetzt hat. Mit “Gerechtigkeit ohne Grenzen” war dagegen Philipp Beerholds Ausschuss überschrieben, der sich mit seinen Teamkameraden überlegen musste, wie die Europäische Union die gerichtliche Zusammenarbeit verbessern kann, wie etwa den europäischen Haftbefehl. Darin, dass es sich gelohnt hat, am Projekt teilzunehmen, sind sich alle Schüler einig. “Man hat sich überlegt, wo man hinmöchte, und sich dann intensiv damit beschäftigt”, sagt Simone Paine, bei der das Thema Urheberrechte auf der Agenda stand.

“Es ist toll, dass man mitmachen darf”, bringt es Maria Uhl auf den Punkt und David Hirtreiter findet es positiv, dass “nur Englisch gesprochen wurde. Ich denke auch, dass es für unsere schulische Laufbahn gut ist”, schließlich müssen die Schüler die Abschlussprüfung Speaking Test in der Sprache absolvieren.

Begeistert vom Engagement der Schüler sind auch die Gäste: Neben Oberbürgermeister Andreas Steppberger ist Florian Herrmann, Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien, gekommen, um sich die Ideen der Nachwuchsdelegierten anzuhören. Steppberger geht in seiner Rede auf die Geschichte der Union ein und betont, wie wichtig es sei, “gerade in einer Zeit, in der wir sorgenvoll auf Europa blicken”, eine Veranstaltung wie das Jugendparlament zu organisieren. Noch mehr als bisher müsse man die Gemeinschaft zu einer Herzensangelegenheit machen, “wir alle haben es in der Hand, Europa zu gestalten.” Ebenso wie Steppberger weist Herrmann auf die Wahlen im Mai hin, die so “entscheidend für die Zukunft” sind. Diese gehöre den Schülern, darum sei er gespannt auf ihre Ideen, sagt der Staatsminister. Gerade das Jugendparlament, das seit seiner Gründung 1990 eine “Säule der Unterstützung für die Demokratie” darstelle, sei eine der wichtigsten Diskussionsplattformen für die Jugendlichen.

Auf dieser bewegen sich die Schüler in der Vollversammlung dann auch souverän. Es geht – im Hinblick auf die umstrittene Justizreform in Polen – darum, wie die EU die juristische Unabhängigkeit ihrer Mitgliedsstaaten schützen kann. Sollte es einfacher sein, Sanktionen zu beschließen? Soll ein Fonds für Justizsysteme geschaffen werden, der Verbesserungen am Justizbarometer belohnt? Könnte es eine Plattform geben, die Zivilinitiativen und NGOs zentralisiert und die die Unabhängigkeit der Justiz überwacht? All diese Fragen werden leidenschaftlich diskutiert. Die Schüler stehen auf, bekommen das Mikrofon in die Hand und müssen in der Debatte spontan auf ihren Vorredner reagieren. Währenddessen stecken die anderen schon die Köpfe zusammen – was entgegnen wir? EYP-Präsident Kevin Boland achtet derweil auf den Ablauf und darauf, dass jeder zu seinem Rederecht kommt. Hinter dem Projekt steht viel, betont er: “Jugendliche müssen realisieren, dass sie eine Stimme haben und dass diese wichtig ist.”

Quelle: Eichstätter Kurier vom 11.03.2019 von Tina Steimle (Text und Bild)