Seit mehr als 125 Jahren Maria Ward in Eichstätt

1869 rief Bischof Freiherr von Leonrod die Englischen Fräulein in seine Residenzstadt „zur höheren Ausbildung der weiblichen Jugend“. Sechs Schwestern begannen das Werk mit einer 6-stufigen „Höheren Erziehungsanstalt“, die im ersten Jahr von 12 Schülerinnen besucht wurde. Im Laufe der Jahre wurde sie in „Höhere Töchterschule“ und später in „Lyzeum“ umbenannt und blieb als 6-stufige Schulart erhalten bis zur Auflösung im Jahre 1940.

 

Lourdes GartenAb 1880 wurde daneben auch die Lehrerinnenbildungsanstalt geführt, die vorwiegend den klösterlichen Nachwuchs ausbildete. Ein großes Anliegen der damaligen Oberin des Hauses, M. Clothilde Gentner, war es, für Mädchen einen besonderen Schultyp ins Leben zu rufen, eine Schulgattung zwischen Volksschule und Gymnasium. Diese Schule sollte den Mädchen eine solide Grundlage für eine gute Berufsausbildung vermitteln. 1913 wurde die ministerielle Genehmigung erteilt und 1914 konnte die erste Klasse dieser „Mittelschule“ errichtet werden.

SchulaulaSowohl die Lehrerinnenbildungsanstalt als auch die Mittelschule nahmen im bayerischen Bildungswesen einen bedeutenden Platz ein. Dieser große Schulbetrieb mit drei verschiedenen Schulgattungen machte es notwendig, zum heutigen Mittelbau des Hauses schon bald zwei weitere Häuser rechts und links davon anzukaufen. Darüber hinaus wurde der südliche Anbau mit zahlreichen Klassräumen, Turnsaal und Aula erstellt; er konnte 1906 seiner Bestimmung übergeben werden.

 

Allem schulischen Schaffen bereitete die NS-Zeit 1940 ein jähes Ende. Das Institutsgebäude sollte enteignet werden. Namhafte Eichstätter Bürger jedoch setzten sich dafür ein, dass darin ein Hilfslazarett untergebracht wurde, um das Haus dem Institut zu erhalten. Vorübergehend diente es auch als Auffanglager für Bessarabier. Am 19. Februar 1946 konnte die Mittelschule für rund 100 Schülerinnen in drei Klassen wieder eröffnet werden.

02 Chemie- und PhysiksaalDamals war im Erdgeschoss des Schulgebäudes auch das staatliche Gesundheitsamt untergebracht. Die Bildungspolitik der 60er und 70er Jahre hatte eine wahre „Schülerexplosion“ zur Folge, die im Jahre 1981/1982 mit 596 Schülerinnen in 18 Klassen ihren Höhepunkt erreichte. Aus diesem Grunde musste Jahr für Jahr die Schule erweitert werden, d. h. zusätzliche Klass- und Fachräume waren zu erstellen. Daneben gab es auch viele wohltuende Neuerungen: 1966 erhielt das Auladach eine elektrische Verdunkelung. 1968 wurde der Physik-Chemiesaal neu möbliert, so dass die Schülerinnen nun „mit größerem Vergnügen nicht in die Stunden, aber in den herrlichen Saal gingen“.

1970 konnten durch den Auszug des Gesundheitsamtes zwei große Klassräume gewonnen werden. Ebenso wurde Platz für eine neue Schulküche, die bis dahin nur notdürftig außerhalb des Schulgebäudes untergebracht war. 1971 wurden die Schulgänge weiter und heller, indem man eine Reihe von Zwischentüren entfernte, die den „Pausenverkehr“ oft stark behindert hatten. Doch mussten wir gleichzeitig wieder einen Engpass in Kauf nehmen: Landratsamt und Ordinariat hatten den Maria-Ward-Schwestern den Aufbau und die Führung der Fachakademie für Sozialpädagogik übertragen. Dieser Schule mussten Räume zur Verfügung gestellt werden.

Schulklasse1972 zählte die Realschule 16 Klassen, und die Fachakademie hatte auf drei Klassen aufgestockt, so dass wir erstmals eine Wanderklasse einrichten mussten. 1976 war es notwendig geworden, das gesamte Gebäude einer gründlichen „Kur“ zu unterziehen. Heizung, Installation, elektrische Anlagen mussten erneuert bzw. modernisiert werden. Gleichzeitig wurden verschiedene Um-, Aus- und Einbauten vorgenommen, unter anderem ein eigener Physiksaal mit Vorbereitungsraum.

 

damals Turnsaal, heute MultimediaraumNoch waren die Sanierungsarbeiten nicht ganz abgeschlossen, ging man an die Planung einer Sporthalle. Die alte Turnhalle war seit Jahren nicht mehr geeignet für den Unterricht, da sie für die großen Klassen viel zu klein war und auch den modernen Sicherheitsvorschriften nicht mehr entsprach. Deshalb musste der Sportunterricht jahrelang in den verschiedenen Sporthallen Eichstätts erteilt werden. 1979 konnte die neue Sporthalle in Betrieb genommen werden.


1980 wurde der innere Schulhof gepflastert und neu bepflanzt. Damit hatte die jahrelange Bautätigkeit im Realschulbereich ihren Abschluss gefunden. Das stetige Anwachsen der Schülerzahlen jedoch zwang zu einer neuen Baumaßnahme: Im Anschluss an an das bisherige Institutsgebäude entstand ein Neubau für die Fachakademie. 1983 konnte darin der Schulbetrieb aufgenommen werden und die Realschule erfuhr die lang ersehnte räumliche Entlastung. Phonotypie 1987Es konnte u. a. ein Fachraum gewonnen werden für das Wahlfach Informatik mit einer Erstausstattung von fünf Computern. Damit begann an unserer Schule das Kapitel „informationstechnische Bildung“. 1984 stiegen wir mit einer Erstausstattung von 5 Computern in den Schulversuch „Wahlpflichtfach Informatik“ ein. 1987 wurde - damals noch als Wahlfach - Textverarbeitung eingeführt. Dazu musste der Phonotypieraum zur Hälfte umgerüstet werden, d. h. neben 20 elektrischen Schreibmaschinen standen nun 14 Computer-Arbeitsplätze zur Verfügung.


Den vielleicht größten Einschnitt erfuhr die Maria-Ward-Realschule vielleicht im Jahr 2002. Nach vielen Jahren übergaben Sr. Reingard Meyer und Sr. Lioba Wackerbauer die Schulleitung in die weltlichen und männlichen Hände ihres Nachfolgers, Hanspeter Kleinhans. Zwar blieben sie der Schule über Jahre hinweg noch erhalten in der Betreuung der Schülerbücherei und der Leitung des Tagesheims, doch bedeutete es einen gewaltigen Schritt, dass das ehemalige Institut der englischen Fräulein nunmehr keine Schwester hatte, weder im Kollegium noch in der Schulleitung. Im Jahr 2009/2010 übernahm Prof. Dr. Barbara Staudigl die Schulleitung und begann mit der Reformierung der Schule im Sinne der Marchtaler-Plan-Pädagogik

Text von M. Lioba Wackerbauer