"Herzwerker" im Rampenlicht

Die Schüler/innen wurden im Vorfeld bei einem Casting ausgewählt

Theaterpädagoge und Regisseur Jean-Francois Drozak erarbeitete mit den Schüler/innen das Theaterstück

Ulrike, ein geistig behindertes Mädchen beobachtet ihren Fisch im Aquarium

Eine Seniorin will sich nur von einer bestimmten Altenpflegerin betreuen lassen und wiederholt immer wieder: Ich will die Uschi

Ein Junge ist unzufrieden über die Bestrafung

Menschen mit Demenz muss man in ihrer Wirklichkeit begegnen

Eichstätt (EK) Ein Theaterstück als anschauliche und kurzweilige Berufsberatung - das konnten Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Gäste in der Maria-Ward-Realschule erleben.

Eichstätt (ddk) Ein Theaterstück als anschauliche und kurzweilige Berufsberatung - das konnten Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Gäste in der Maria-Ward-Realschule erleben. Die Aufführung von acht Schülerinnen und Schülern in der voll besetzten Rebdorfer Aula war das Ergebnis eines mehrtägigen Projekts mit dem Titel "Herzwerker", das die Bedeutung sozialer Berufe mittels Theater darstellen möchte. Mit großer Begeisterung nahm das Publikum die unterhaltsame "Berufsberatung" der besonderen Art auf.

Auf der Bühne ein Talkshow-Sessel, dazu fünf große Zinktonnen - mehr brauchte es nicht für die szenische Berufsberatung der Kampagne "Herzwerker", die Theaterpädagoge und Regisseur Jean-Francois Drozak zusammen mit den im Vorfeld bei einem "Casting" ausgewählten Schülerinnen und Schülern in eine kurzweilige Theatergala umgesetzt hat. Das Besondere: Drozak hat auch vier Vertreter sozialer Berufe dazu geladen, deren ureigenste Erfahrungen in das Theaterprojekt mit eingeflossen sind. Denn die Grundidee ist: Soziale Berufe lassen sich für junge Menschen am besten erklären, wenn sie authentisch erlebbar und szenisch beispielhaft dargestellt werden. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt des auch vom Bayerischen Sozialministerium unterstützten Berufsfindungsprojekts, das Schülern zeigen möchte: Es gibt nicht nur Handwerker und "Kopfwerker", sondern auch "Herzwerker", denen für ihre soziale Arbeit größte Wertschätzung gilt und die zudem mehr denn je gefragt sind. Die erste Szene handelt von dem geistig behinderten Mädchen Ulrike, die nichts mehr liebt, als ihre Fische im Aquarium ihres Zimmers zu füttern. Die Konsequenz: Wegen Überfütterung sterben immer wieder Fische. Mit großer Empathie spielten die Neuntklässlerinnen Sina Thanheiser als Ulrike und Pia Schweitzer als Heilerzieherin die Herausforderungen dieses sozialen Berufes nach, zeigten die Geduld, die beim Umgang mit einem geistig behinderten Menschen nötig ist.

Auch in einer zweiten Szene mit dem Titel "Vom Himmel herab" tauchten die jungen Theaterspieler in den Berufsalltag mit geistig behinderten Menschen ein: Wie fühlen sich erwachsene Behinderte, die nach dem Tod ihrer Eltern in einer betreuten Wohngruppe leben müssen?

Über 90 Minuten bot die "Herzwerker"-Vorstellung eine Vielzahl überaus unterhaltsamer von den acht Laienspielern dargebotenen Szenen aus dem Alltag von Sozialberufen. Das Beeindruckende dabei: Alle Szenen beruhten auf authentischen Erzählungen und Berichten aus dem Berufsalltag der vier anwesenden Eichstätter und Ingolstädter Fachkräfte aus der Behindertenhilfe, der Altenpflege, der Jugendhilfe und dem Kindergarten beziehungsweise der Kinderbetreuung. Sie waren als echte Interviewpartner Teil des Konzepts von Theaterpädagoge Drozak.

So erlebten die Zuschauer hautnah Szenen aus dem Eichstätter Seniorenheim St. Elisabeth, dem Kinderdorf Marienstein und dem Kinderhaus der Dompfarrei. Meisterhaft gelang es den jungen Theaterspielerinnen und -spielern, in ihrer Szene "Ich will die Uschi" amüsant die Fixierung manch eines Senioren auf nur einen Altenpfleger darzustellen oder in der Szene "Die Köchin" auf die Bedeutung intensiven Beobachtens von Kindern und deren Verhaltensweisen durch die Erzieher im Kindergarten aufmerksam zu machen. Ebenso gekonnt spielten sie sehr berührend die Enttäuschung eines Jungen im Kinderdorf Marienstein nach, dessen Eltern wie immer nicht zu einer Schulaufführung gekommen waren.

Quelle: Eichstätter Kurier vom 21.11.2016 um 18:57 Uhr von Dagmar Kusche