Gemeinsam Kraft tanken im Kerzenschein

Foto: Anika Taiber-Groh (pde)

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Eichstätt (EK) Freitagabend bei nasskalter Witterung in den Fernsehsessel oder ins Kino? Das war angesichts der "Nacht der Lichter", die bereits zum sechsten Mal im Eichstätter Dom stattfand, keine Option.

Hunderte von jungen und älteren Besuchern waren vielmehr der Einladung verschiedener kirchlicher Einrichtungen in das mit Tausenden von Kerzen erleuchtete Gotteshaus gefolgt, um bei ruhigen Taizé-Gesängen, Musik, Lesungen und Stille Ruhe, Entspannung und Zeit zu Reflexion und Gebet zu finden.

Schon um 20 Uhr war der Dom zu Eichstätt voll besetzt. Selbst die Plätze am Boden, in Nischen und Seitenaltären, direkt vor dem Hauptaltar oder am Fuße der Figur des heiligen Willibald im hinteren Bereich des Doms waren voller Menschen. Immer wieder strömten Familien, teilweise mit Kinderwagen, kleine Gruppen von Freunden oder Bekannten in das wunderschön erhellte Gotteshaus.

Unverzichtbar: Die warme Decke oder ein Kissen unter dem Arm, bisweilen auch eine Thermoskanne voller Tee, um diese einzigartige "Nacht der Lichter" genießen zu können, die seit 2011 vom Bischöflichen Jugendamt, der Schulpastoral der Maria-Ward-Realschule, der Benediktinerabtei Plankstetten, dem Mentorat der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Frauenpastoral der Diözese veranstaltet wird.

Wahrlich strömten die mit viel Hingabe von den Organisatoren der "Nacht der Lichter\" überall am Boden und auch an erhöhten Plätzen aufgestellten Kerzenlichter sofort eine magische Atmosphäre auf die Besucher aus. Prächtig war auch der wieder eindrucksvoll mit langen, rot-gelben, bis zum Boden hängenden Stoffbändern geschmückte Hauptaltar anzuschauen, vor dem sich viele Jugendliche in kleinen Kreisen niedergelassen hatten.

So war schon beim Betreten des Doms zu spüren: An diesem Abend rücken Alltagssorgen und Stress, Hektik und Kummer in den Hintergrund; die feierlich-festliche Stimmung erzeugte schnell ein Ambiente voller Ruhe und Gemeinschaftsgefühl und rief das Bedürfnis wach, die wunderschönen, von verschiedenen Chören dargebotenen Taizé-Gesänge mitzusingen und den Gebetsimpulsen zu lauschen.

Zwar bereitete das stetige Kommen und Gehen der Besucher bisweilen ein wenig Unruhe. Doch dies tat dem wunderbaren musikalischen Programm, das in diesem Jahr unter dem Leitgedanken der Barmherzigkeit Gottes stand, sowie der festlichen Stimmung zwischen 20 und 24 Uhr keinerlei Abbruch. So präsentierten die Jugendkantorei des Eichstätter Doms, der Jugend- und Kirchenchor Litzlohe, das Collegium Orientale, das Gabrieli-Gymnasium und der Taizé-Chor der Katholischen Hochschulgemeinde Eichstätt ihr ganzes musikalisches Können in der Lichternacht.

Viele Besucher folgten während der Gebetsnacht im Dom der Einladung zur Beichte und zum seelsorglichen Einzelgespräch, während die meisten Gäste - ob jung oder alt - bei sanfter Musik oder kurzen Lesungen die Gelegenheit zum Reflektieren, Beten oder einfach zur Ruhe Kommen nutzten.

Ein fleißiger Trupp der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) sorgte indes in der Batzenstube des Dompfarrheims für eine wärmende Verköstigung der Dombesucher mit einer schmackhaften Gemüsesuppe und gutem Tee und Gebäck: "Wir haben gestern mit 15 Leuten eine riesige Menge Gemüse für unsere Suppe geschnitten", berichteten die Mitglieder der Stadtgruppe Eichstätt der KSJ stolz. Über die zahlreichen hungrigen Gäste in der Batzenstube, die sich gegen eine Spende zugunsten der Hurrikanopfer in Haiti die köstliche Suppe an liebevoll gedeckten Tischen schmecken lassen konnten, freuten sich die Jugendlichen dann um so mehr.

Von der Dunkelheit in das helle Licht des Domes treten, sich vom Lichtermeer berühren zu lassen und für ein paar Stunden Alltag und Hektik hinter sich lassen - es ist ein einzigartiges Angebot, das den Menschen in der "Nacht der Lichter" offen steht. Doch es ist keine Selbstverständlichkeit, was da einem Freitagabend im Eichstätter Dom zu erleben ist: Kinder und Jugendliche, junge Paare, ältere Menschen, ja ganze Familien suchten für die "Nacht der Lichter" das Gotteshaus auf, um nach einer anstrengenden Arbeitswoche in der Ruhe und Meditation wieder Kraft für den Alltag zu tanken.

Quelle: Eichstätter Kurier vom 20.11.2016 um 18:18 Uhr von Dagmar Kusche