Für Menschenwürde - gegen Gewalt an Frauen

Frau Unterreithmeier von SOLWODI Augsburg hielt einen bewegenden Vortrag in der Aula

Die Klassen- und Schülersprecherinnen trafen sich zum Austausch mit der Referentin.

Bei der Spendenübergabe konnten 955,70 EUR an SOLWODI überreicht werden, die beim Adventsmarkt erwirtschaftet wurden.

Maria-Ward-Schüler und Schülerinnen informieren sich über die Organisation SOLWODI

Das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 ist eines der liberalsten Prostitutionsgesetze weltweit. Was die einen als Freiheit für die Frauen feiern, sehen andere als unzumutbaren Zustand, der Ausbeutung und Gewalt an Frauen in Deutschland Tür und Tor öffnet. Frau Unterreithmeier von SOLWODI Augsburg, die von der Fachschaft Religion eingeladen wurde, erzählte in einem bewegenden Vortrag den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen von ihren Erfahrungen und ihrem unermüdlichen Einsatz für betroffene Frauen.

Am Beispiel der 16-jährigen Lena aus Osteuropa erfuhren die Schüler und Schülerinnen, wie schnell junge Mädchen in die Fänge von Menschenhändlern kommen können. Angetrieben von der Perspektivenlosigkeit in ihrem Heimatland, glaubte die junge Frau den Versprechungen eines lukrativen Jobs und fand sich kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland in einem Bordell wieder. Ohne Kenntnisse der deutschen Sprache und ihrer Rechte, ohne Pass und Geld war an Flucht nicht zu denken. Ständige Bedrohungen und Gewalt machten die junge Frau gefügig. Dank SOLWODI konnte Lena den Fängen der Zuhälter entkommen, sie fand Unterschlupf in einer Schutzwohnung, bekam Beratung und eine Lehrstelle vermittelt. Das Schicksal von Lena teilen Tausende von Frauen hier in Deutschland, ca. 90 % aller Prostituierten kommen aus dem Ausland. Aber nicht nur ausländische Mädchen sind betroffen: Deutsche junge Mädchen werden hierzulande vor allem durch sogenannte Loverboys angelockt, die gezielt mit ihnen eine Beziehung eingehen, um sie dann an Zuhälter weiter zu verkaufen.

SOLWODI hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in ihrer Not zu helfen. Neben der konkreten Beratungsarbeit mit den Betroffenen wirbt die Organisation für mehr Verständnis für die oft verzweifelte Lage dieser Frauen und Mädchen. „Wir von SOLWODI glauben weder an die Freiwilligkeit in der Prostitution noch an Entscheidungsfreiheit!“, machte Unterreithmeier deutlich. Vielmehr haben die Frauen keine Alternative, wenn sie von Existenzangst und Armut bedroht sind. Allerdings sei ein Verbot des Kaufs von „sexuellen Dienstleistungen“ hier in Deutschland in weiter Ferne, führte Unterreithmeier weiter aus. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wie z. B. Schweden und Frankreich pocht der Gesetzgeber hierzulande auf das Selbstbestimmungsrecht und legalisierte die Tätigkeit. Dies könne SOLWODI nicht hinnehmen und drängt auf eine Verbesserung des Prostitutionsgesetzes: „Weil wir für die Frauen sind, sind wir gegen Prostitution!“. In einem Land wie Deutschland kann es nicht einfach hingenommen werden, wenn die Rechte von Frauen mit Füßen getreten werden.

Zum Abschluss des Vormittags trafen sich die Klassensprecherinnen und Schülersprecher zum persönlichen Austausch mit der Referentin. Mit einer Unterschriftenaktion wolle man im weiteren Verlauf des Schuljahres für die Anliegen von SOLWODI werben. Sichtlich erfreut war Unterreithmeier über die Spende in Höhe von 955,70 EUR, welche die Schülerinnen und Schüler beim Adventsmarkt für die Organisation erwirtschaftet hatten.

Bea Trampert