Froh über die Willkommensklasse

Der Unterricht in der Willkommensklasse geht weit über das EErlernen der deutschen Sprache hinaus. Neben Lehrkräften der Maria-Ward-Realschule engagieren sich auch Schüler/innen der Klassen 10 c und 10 d für die Integration der jungen Flüchtlinge in Eichstätt.An der Maria-Ward-Realschule in Eichstätt erfahren Flüchtlingskinder auch etwas über den Alltag in Deutschland

Eichstätt (EK) „Uns gefällt es in Deutschland sehr gut!“, sagen die beiden Geschwister Asma (10) und Sare (8), die sich aus Afghanistan mit ihrer Familie zu Fuß und mit dem Bus auf den Weg in das weit entfernte Deutschland gemacht hatten. Kurz vor den Weihnachtsferien fanden sie in Eichstätt Asyl und dürfen seither in unsere neue Willkommensklasse gehen.

Begonnen hat es bei uns in der Maria-Ward-Realschule mit der Bitte der Deutschen Bischofskonferenz, sich in besonderer Weise um Flüchtlinge zu bemühen. Peter Nothaft, Leiter der diözesanen Schulen, und unsere Schulleiterin Barbara Staudigl machten sich gemeinsam daran, ein solches Projekt umzusetzen. „Am schwierigsten war es, einen geeigneten Klassenlehrer zu finden“, sagen beide. Mit Dorey Mamou aus Syrien ist das aber gelungen. „Ich bin selbst Flüchtling und seit ein paar Jahren hier in Deutschland. Auch zu Hause in Syrien habe ich als Lehrer gearbeitet.“ Die Arbeit in der Willkommensklasse  macht ihm Spaß. Er holt die Kinder am Morgen in der Erstaufnahmeeinrichtung am Residenzplatz ab, fährt mit ihnen zur Schule und begleitet sie mittags wieder zurück.

Dazwischen haben sie vier Stunden Unterricht. Wir haben die Lehrerin Claudia Reil und den Lehrer Alexander Margraf, die an unserer Schule viel mit der Willkommensklasse arbeiten, gefragt, wie der Unterricht aussieht. „Im Lehrerzimmer hängt ein Stundenplan. Und viele Lehrerinnen und Lehrer, die gerade eine Freistunde haben, gehen gerne in die Willkommensklasse“, erzählt Claudia Reil, die als Mitglied derSchulleitung auch alles koordiniert. „Im Grunde geht es darum, den Schülerinnen und Schülern unsere Sprache und unsere Kultur zuvermitteln. Und manche müssen auch erst das lateinische Alphabet lernen.“ Natürlich ist die Verständigung nicht immer leicht. Für die syrischen Kinder übersetzt Dorey Mamou schon einmal, aber bei der Verständigung mit den afghanischen Schülerinnen und Schülern muss man mitunter auch mit Händen und Füßen arbeiten. „Aber das schaffen wir mit gutem Willen und mit einem spielerischen Zugang“, meint Alexander Margraf, der selbst viele Jahre im Ausland gelebt hat und weiß, wie es ist, in einer Sprache nicht beheimatetzu sein. „Die Kinder wollen und sollen möglichst schnell Deutsch lernen. Und sie sind viel dankbarer für Schule und Unterricht als unsere deutschen Schüler.“

Unterstützung bekommen die Lehrkräfte von den Schülerinnen der Klassen 10 c und 10 d, die am Nachmittag Sport und deswegen am Vormittag Freistunden und etwas Zeit haben. „Wir spielen mit den Kindern oder erklären ihnen zum Beispiel Verkehrsregeln. Sie freuen sich immer sehr, wenn wir kommen,“ berichten Maria und Eva aus der 10 d und wenden sich wieder ihren neuen Mitschülern Abduraham und Omar aus Syrien zu. Mit dem Boot und ab Griechenland mit dem Bus sind sie nach Deutschland gekommen. Auf dem Wasser und in dem viel zu kleinen Boot haben sie Angst kennengelernt.

Jetzt sind sie froh, hier zu sein. In den vergangenen Wochen sind viele Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung in dezentrale Unterkünfte umgesiedelt worden. Nach den Weihnachtsferien waren es 23 Kinder, aktuell haben wir noch acht Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 16 Jahren in der Klasse. Aber es geht nicht darum, wie viele Kinder in unserer Willkommensklasse sind.

„Das Gute hängt nicht an Zahlen“, sagt Peter Nothaft. Es geht darum, wie gut es jedem Einzelnen geht, der hier bei uns in der Willkommensklasse ist. Und wir sind froh, wenn es den Flüchtlingen bei uns gefällt.“

Klasse 8 m, Maria-Ward-Realschule Eichstätt