Burunditag

Projekttag an der Maria-Ward-Realschule beschäftigt sich mit Partnerschule in Burundi

Wenn laute Trommelklänge durch die Gänge schallen, Schülergruppen von Raum zu Raum eilen und es überall nach unbekannten Gewürzen und fremdartigen Gerichten duftet, dann findet in der Maria-Ward-Realschule wieder der alljährliche „Burundi-Tag“ statt.

Unter der Regie von Religionslehrerin Bea Trampert hatte das Organisation Team nicht weniger als fünf Workshops vorbereitet, die die Sechstklässler der Realschule in die Besonderheiten des kleinen zentralafrikanischen Landes einführen sollten. Burundis Erzdiözese Gitega hat nicht nur als Partnerdiözese des Bistums Eichstätt eine besondere Bedeutung. Seit vielen Jahren unterhält die Maria-Ward-Schule enge Beziehungen zur dortigen Gehörlosenschule, die zur Partnerschule der Realschule geworden ist und regelmäßig durch Projekte unterstützt wird.

Einmal so richtig kräftig auf eine Trommel zu schlagen oder eines der vielen afrikanischen Rhythmusinstrumente im Takt dazu auszuprobieren – das ist schon etwas Besonderes an einem Schultag, an dem andere über Schulbüchern büffeln müssen. Im Workshop Trommeln übten sich die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler daher mit großem Elan an den Schlaginstrumenten und spürten schnell: Trommelschläge gehen durch Mark und Bein, sie bringen nicht nur den Raum, sondern auch den eigenen Körper zum Vibrieren. Diese wichtige Erfahrung, die die Schüler insbesondere beim Zuhalten ihrer Ohren machen konnten, ist wichtig für Lehrkraft Petra Lupart. Denn schließlich ist die Maria-Ward-Schule Partner der Gehörenlosenschule in Gitega/Burundi – der größten Schule im Land. Sich in die gehörlosen Schüler zwischen drei und 14 Jahren hineinzuversetzen, für die das Trommeln ein wichtiges Lebenselixier darstellt, war daher auch ein Ziel des Workshops, den Pfarrer Innocent Nduwimana aus Burundi mit großer Freude und vielen mitreißenden eigenen Einlagen anleitete.

Doch auch in den anderen vier Workshops herrschte beste Stimmung. Über das ostafrikanische Burundi mit seinen rund 10,5 Millionen Menschen, von denen gut 60 Prozent Katholiken und überwiegend in der Landwirtschaft tätig sind, erfuhren die Schüler ebenso wie von der Armut des Landes, in dem eine Analphabetenrate von über 40% herrscht. Bea Trampert führte die Schüler indes in die Kultur des Landes ein und bereitete einen typischen Maisbrei mit Kokosblütenzucker und Erdnussmus sowie ein Reis-Kidneybohnen-Mais-Gericht zu – ein typisches Frühstück, das die Kinder des Internats der burundischen Gehörlosenschule täglich essen. Nach anfänglicher Skepsis siegte die Neugierde und die Schülerinnen und Schüler probierten interessiert die fremdartigen Speisen aus.

Über die Partnerschule für Gehörlose in Gitega informierte Schwester Anna Jungbauer die Sechstklässler. Diese staunten bei einem eindrücklichen Film über die Schule nicht schlecht, dass die Schule eigentlich nur für 120 gehörlose Schüler gedacht war, derzeit aber schon über 300 Schüler mit 22 Betreuern und 20 Lehrern dort die Chance erhalten, Schulunterricht zu besuchen und die Gebärdensprache zu erlernen. Nur schwer zu verstehen war für die Schüler, dass die Schule mangels staatlicher Hilfe kaum Möglichkeiten zum Ausbau hat und dringend auf die Unterstützung der Diözesen Gitega und Eichstätt angewiesen ist. Auch der fehlende Strom und damit das Fehlen von Computern oder anderer technischer Einrichtungen erstaunten die jungen Schüler. Umso mehr begeisterten sie sich für die enorme Lebensfreude und die vielen lachenden Gesichter der Kinder in Burundi, die diese trotz bescheidenster Lebensverhältnisse ausstrahlten. Dass ein Internatsschüler in der Gitega-Gehörlosenschule laut den von Schwester Anna vorgestellten Ausgaben pro Monat rund 194 Euro kostet, animierte die Schüler gleich, über zukünftige Projekte an der Schule nachzudenken, mit denen die Schule unterstützt werden kann: „Letztes Jahr haben wir dreimal für die Partnerschule Projekte durchgeführt und insgesamt 5.000 Euro gesammelt“, lobte Schwester Anna die Schüler noch einmal rückblickend.

Pfarrer Alfred Grimm, Leiter der Behindertenpastoral der Diözese, stand zusammen mit Pater Innocent und Abbé Joseph dem Wortgottesdienst vor, der zum Abschluss des Vormittags gefeiert wurde. Ein roter Faden verband alle Mitfeiernden miteinander und stellte die Verbundenheit zwischen den Menschen in Burundi und in Eichstätt, zwischen Gehörlosen und Hörenden, zwischen Großen und Kleinen dar.

Dagmar Kusche, Eichstätter Kurier