"Die Region in der Region lassen"

Edeka

Klinikum Eichstätt

Diözese Eichstätt

Weitner GmbH

Bauunternehmen Martin Meier

Trebbin

Eichstätt (EK) Vollbeschäftigung. Das verheißt nicht nur eine traumhafte Wirtschaftslage, sondern auch, dass die Arbeitnehmer am längeren Hebel sitzen: Die Bewerber konkurrieren nicht mehr um die Stellen, sondern die Unternehmen um die Bewerber - und das beginnt bereits an den Schulen.

Stimmengewirr schallt in der Pausenhalle der Eichstätter Realschulen und Schüler schieben und drücken sich aneinander vorbei. An verschiedenen Ständen erläutern ihnen Vertreter regionaler Firmen ihre Ausbildungsmöglichkeiten und erklären ihnen, worauf es für eine Stelle bei ihnen ankommt.

Die beiden Beauftragten der Schulen für die Berufsorientierung Stefanie Weinretter-Riedel und Sabine Grimm haben am Donnerstag eine Jobbörse in Rebdorf organisiert. Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft war an sie mit der Bitte herangetreten, lokalen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, sich und ihr Profil den Schülern vorzustellen. „Die Region in der Region lassen“, erläutert Barbara Staudigl, Schulleiterin der Maria-Ward-Schule, das Ziel der Messe.

Die Schülerinnen und Schüler der Eichstätter Realschulen sind nämlich heiß begehrte Bewerber auf dem Arbeitsmarkt. „Wir hatten schon diverse Schulabgänger aus Rebdorf in Ausbildung und wir haben ausschließlich positive Erfahrungen mit ihnen gemacht. Wir sind hier, um auch in Zukunft unsere Stellen so gut besetzen zu können“, erklärt Christian Schoberer von Voith aus Ingolstadt.

Vor allem die Schüler der neunten Klassen sind vertreten. In dieser Jahrgangsstufe ist die Berufsorientierung zentral, erklärt Hans-Peter Sandner, Schulleiter der Knabenrealschule. Praktika, Jobmessen, Bewerbertrainings: Das Programm an den Schulen zur Berufsfindung ist umfassend - und das zahlt sich aus. Hundert Prozent der Schulabgänger verlassen Rebdorf mit der Aussicht auf eine sichere Ausbildungsstelle. „Die Plätze warten also auf unsere Schüler - nicht umgekehrt“, fasst Staudigl die positive Situation zusammen.

Denn die Absolventen der Realschulen haben Abiturienten oft eines voraus: eine praxisorientiertere Schulbildung. Vor allem im Bereich IT genießen sie eine deutlich intensivere und grundlegendere Ausbildung als ihre Altersgenossen an den Gymnasien. Sie lernen, jedes Programm am Computer zu bedienen und mit zehn Fingern zu tippen. Damit machen sie sich bei den Unternehmen als Bewerber für eine Ausbildung begehrt.

Ohnehin ist es nicht in allen Branchen immer einfach, freie Stellen gut oder überhaupt zu besetzen. Das Baugewerbe leidet unter einem Imageverlust und entsprechenden Schwierigkeiten, Nachwuchs auszubilden, berichtet Hermann Meier vom Bauzentrum Meier in Eichstätt. „Gerade im Beruf des Maurers ist die Situation durchwachsen“, erläutert er. „Zwar konnten wir die Stellen bisher immer besetzen, aber meistens leider sehr spät. Das Bauhandwerk ist einfach nicht die erste Wahl.“ Auch auf dem Gebiet der Pflege wird immer wieder über einen Personalmangel geklagt. „Noch können wir unsere Stellen besetzen, aber es wird zunehmend schwieriger“, erzählt Karin Deseive von der Klinik Eichstätt. Außerdem sei die Gesundheitspflege ein voraussetzungsreicher Beruf: Mit Menschen umgehen und im Team arbeiten zu können, sei unerlässlich und werde nicht von jedem erfüllt.

Das Anwerben von Nachwuchs ist also für die meisten Branchen ein großes Anliegen. Insgesamt 14 Unternehmen warteten deshalb in der Rebdorfer Pausenhalle mit Ständen auf. Besonders hohen Rang genießt die Polizei unter den Schülern als potenzieller Arbeitgeber. Von diesem Beruf herrsche aber auch das romantischste Bild vor, betont Staudigl.

Es kann also nicht schaden, sich genau umzusehen, seinen ersten Eindruck möglicherweise zu revidieren und Alternativen zu entdecken. Das sehen auch die Schüler so. Interessiert und unvoreingenommen streifen sie durch die Pausenhalle. Denn, so erklärt der 13-jährige Quirin Birkl: „Man weiß ja oft gar nicht, was es so alles an Möglichkeiten gibt.“

Quelle: Eichstätter Kurier vom 13.11.2015 um 18:39 Uhr von Leonie Hoh