33 Bogen und ein Teehaus

Autorenlesung mit Frau Zaeri-Esfahani

Was die Deutsch-Iranerin Mehrnousch Zaeri-Esfahani zu erzählen hat, klingt wie eine abenteuerliche Phantasiegeschichte. Alles davon hat sie selbst erlebt, als sie mit ihrer Familie in den 80er Jahren aus dem Iran geflohen und über Umwege im baden württembergischen Heidelberg gelandet ist.

Lässig steht sie in der Aula auf der Bühne und versteht es von der ersten Minute an, die 7. und 8. Klassen mit ihrer Erzählung in ihren Bann zu ziehen. Ja, sie erzählt. Wer sich auf eine reine Buchpräsentation ihres Werkes “33 Bogen und ein Teehaus” eingestellt hatte, wurde positiv überrascht. Mit einfachen und klaren Worten verleiht sie Menschen, Plätzen, Orten, Begegnungen und Erlebnissen eine Lebendigkeit und Tiefe und lässt die Zuhörerinnen und Zuhörer Teil ihrer Geschichte werden. Und diese Geschichte beginnt in ihrem Heimatland Iran, in welchem sie als kleines Mädchen die islamische Revolution miterlebte, die das ganze Volk zunächst mit Euphorie erfüllte und die den ersehnten religiösen Führer Chomeini an die Macht brachte. “Dann, über Nacht, verwandelte er sich in eine Bestie”, erzählt die Autorin. Durch die überall präsenten Wächterinnen wurde jeder Verstoß gegen die Regeln bestraft. Am Abend vor ihrer Einschulung schnitt ihr ihre Mutter die langen, dicken Haare ab, weil sie nicht unter das vorgeschriebene Kopftuch passten. Die Kinder in den Schulen wurden angehalten, ihre eigenen Eltern und Geschwister zu verraten. Als ihr 15-jähriger Bruder in den Krieg ziehen sollte, entschied sich die Familie zur Flucht und kam über die Türkei nach Deutschland. Sehr anschaulich, mit witzigen und nachdenklichen Episoden schildert Frau Zaeri-Esfahani den langen Weg zwischen Hoffnung und Mutlosigkeit, hier anzukommen und wieder eine Heimat zu finden. Die vielen interessierten Fragen, welche die Schülerinnen und Schüler nach dem Vortrag stellen, zeigen, dass die Autorin sowohl den Verstand, das Gefühl und die Herzen der jungen Menschen erreicht hat.

Bea Trampert