Der Tanz zur Freiheit







Beim Projekt mit Alan Brooks loten Schülerinnen und Schüler ihre Grenzen aus - und zeigen Mut

Eichstätt-Rebdorf (EK) Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden heiß diskutiert. Ob es sie überhaupt gibt und ob sie uns in die Wiege gelegt oder anerzogen sind – das sei an dieser Stelle dahingestellt. Fest steht jedoch: Rollenbilder engen ein und stehen Individuen des einen wie des anderen Geschlechts im Weg. Gerade hiervon kann die Maria-Ward-Schule in Rebdorf mit ihrem zahlenmäßig ungleichen Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ein Lied singen.

Das einwöchige Tanzprojekt „Schultanz in Bayern“ unter der Leitung von Alan Brooks, Tänzer und Tanzpädagoge von internationalem Renommee, ist an der Maria-Ward-Schule also an einem dankbaren Ort, um die Grenzen unserer traditionellen Rollenbilder auszuloten und zu überschreiten.

Der gebürtige Brite engagiert sich seit über 20 Jahren an Schulprojekten in verschiedenen Teilen Europas. Seit 2009 leitet er im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums das Projekt „Schultanz in Bayern“. Sein Ziel ist es, jungen Menschen ihren eigenen Körper als Mittel zu Ausdruck und Kommunikation erfahrbar zu machen und ihnen aufzuzeigen, dass Grenzen überwunden werden können. Das Projekt verhilft Jugendlichen zu Selbstvertrauen, sich neu zu definieren und zu der Erkenntnis zu gelangen, dass ihre Zukunft einzig in ihren Händen liegt. Als freie Individuen sollen sie den Workshop verlassen. Drei Dinge verlangt Brooks von seinen Teilnehmern: Energie, Konzentration und Mut – den brauche es unbedingt, um natürliche Hemmungen zu überwinden, betont er.

An der Maria-Ward-Schule rennt er offene Türen ein. Rektorin Barbara Staudigl ist sich der Spannung zwischen den Geschlechtern an ihrer Schule vollkommen bewusst und begrüßt die Gelegenheit, diese durch das Projekt zum Thema zu machen. Der Bezug zum eigenen Körper, Selbstbehauptung und Kommunikation seien in der Pubertät die zentralen Baustellen, und Alan Brooks erweise sich als engagierter Bauleiter. Staudigl lobt auch das einende Moment des Projekts – Schüler verschiedener Klassenstufen und Cliquen erarbeiten gemeinsam eine Choreografie und präsentieren diese in einer abschließenden Aufführung ihren Mitschülern, Lehrern und Familien. Dementsprechend glücklich schätzt sich Staudigl, als Erste in Eichstätt von diesem Projekt profitieren zu dürfen. Der übliche Weg führt über Ausschreibungen, Bewerbungen und lange Wartelisten. Doch die Maria-Ward-Schule hatte das Glück, den Koordinator des Projekts auf ihrer Seite zu haben. Denn dem Engagement des neuen Professors für Kunstpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt, Rainer Wenrich, ist es zu verdanken, dass dieses Projekt nun jenseits der Wartelisten an der Maria-Ward-Schule stattfinden konnte. Der kennt Brooks bereits, seit dieser sein Tanzprojekt aus der Taufe gehoben hat und koordiniert es seither an Brooks Seite. Das Projekt ist ihm persönlich sehr wichtig, wie Wenrich sagt. Es sei ein Weg zur Persönlichkeitsbildung bei Jugendlichen, und die hält der Kunstpädagoge für unabdingbar für die Entwicklung einer eigenen Ästhetik.

Am Freitagabend haben die Schülerinnen und Schüler der Maria-Ward-Realschule nun die Gelegenheit, in der Turnhalle der Schule in Rebdorf ihre bei dem Projekt erarbeitete Choreografie und Ästhetik zu präsentieren.

Quelle: Eichstätter Kurier vom 08.10.2015 um 18:25 Uhr von Leonie Hoh